Börse
Ausblick: Stärkere Eröffnung erwartet; Warten auf Arbeitsmarktbericht
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der deutsche Aktienmarkt hat in der zweiten Tageshälfte ordentlich Fahrt aufgenommen. Nach einem schwachen Auftakt konnte der DAX am Donnerstag letztendlich um 0,67 Prozent vorrücken auf 5.480,92 Indexpunkte. Der MDAX zog daneben um 0,96 Prozent an auf 7.017,46 Zähler. Der SDAX gewann 0,92 Prozent auf 3.427,73 Stellen. Gleichzeitig kletterte der TecDAX um 1,99 Prozent auf 750,02 Punkte.
Der Geldpolitische Rat der Europäischen Zentralbank hat auf seiner Sitzung beschlossen, das Zinsniveau unverändert zu lassen. Marktbeobachter hatten diese Entscheidung aufgrund der anhaltenden Unsicherheit über die konjunkturellen Aussichten bereits im Vorfeld erwartet. Zuvor hat bereits die Bank of England das Zinsniveau bestätigt.
Für Freudensprünge haben allerdings erst die gestern Nachmittag in den USA vorgestellten Konjunkturdaten gesorgt. Laut Angaben des Arbeitsministeriums in Washington hat sich die US-Produktivität im dritten Quartal stärker als erwartet erhöht. Außerhalb der Landwirtschaft wuchs die Produktivität gegenüber dem Vorquartal um 9,5 Prozent an. Das war die stärkste Steigerung seit sechs Jahren. Volkswirte hatten im Vorfeld nur einen Anstieg um 6,5 Prozent prognostiziert. Die Lohnstückkosten schrumpfen im Vorquartalsvergleich um 5,2 Prozent. Zudem hat sich die Arbeitsmarktsituation in den USA in der Vorwoche verbessert. Demnach fiel die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 20.000 auf 512.000, während Volkswirte im Vorfeld nur eine Abnahme auf 522.000 prognostiziert hatten. Die breiten US-Indizes lagen zum Xetra-Schluss dann auch mit bis zu 2,1 Prozent vorne.
Die T-Aktie zählte nach den Zahlen zum dritten Quartal mit einem Plus von 2,3 Prozent zu den größten DAX-Favoriten. Die Deutsche Telekom hat ihren Umsatz im Berichtszeitraum um 5,2 Prozent auf 16,26 Mrd. Euro steigern können. Der Konzernüberschuss erhöhte sich um 7,2 Prozent auf 959 Mio. Euro, während er auf bereinigter Basis um 9,1 Prozent auf 1,07 Mrd. Euro abnahm. Der Free Cash-Flow lag mit 3,29 Mrd. Euro sowohl klar über dem Vorjahreswert als auch deutlich höher als der im gesamten ersten Halbjahr erzielte Wert. Außerdem haben die Bonner ihre im April angepasste Jahresprognose bestätigt. An der Indexspitze zogen METRO um 3,3 Prozent an. Hoch im Kurs standen unter anderem auch BASF (+2,5 Prozent), Bayer (+2,4 Prozent) und Linde (+2 Prozent). Das Papier der Deutschen Post, die infolge der Wirtschaftskrise im dritten Quartal einen Rückgang bei Umsatz und EBIT verzeichnet hat, schloss mit 0,2 Prozent im Plus. Die Erlöse des Logistikkonzerns sanken um 18,6 Prozent auf 11,2 Mrd. Euro. Das EBIT vor Einmaleffekten lag mit 378 Mio. Euro um 10 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresquartals. Ohne die nicht als Einmaleffekte ausgewiesene Ergebnisbelastung aus dem Insolvenzverfahren der Arcandor AG wäre das EBIT vor Einmaleffekten um rund 25 Prozent gestiegen. Das berichtete EBIT auf Konzernebene sank auf 231 Mio. Euro, nach zuvor 953 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr hat die Post ihr bisher angepeiltes Ziel von 1,2 Mrd. Euro EBIT vor Einmaleffekten auf mindestens 1,35 Mrd. Euro erhöht. Darüber hinaus erwartet der Konzern weiterhin einen positiven Nettogewinn für 2009. Gegen den positiven Trend gaben Titel der Münchener Rück 1,1 Prozent ab. Der Rückversicherer konnte in den ersten neun Monaten des laufenden Fiskaljahres einen Ergebnisanstieg vorweisen. Wie der Konzern erklärte, lag der operative Gewinn im Berichtszeitraum mit 3,32 Mrd. Euro um 25 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Konzernüberschuss nach Anteilen Dritter kletterte auf 1,77 Mrd. Euro, nach 1,37 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Die gebuchten Bruttobeiträge verbesserten sich im Vorjahresvergleich um 10,4 Prozent auf 31,05 Mrd. Euro. Eine bessere Entwicklung des Gesamtmarktes verhinderte auch die Aktie der Commerzbank, für die es am Indexende um 4,7 Prozent in die Tiefe ging. Die Großbank konnte ihr operatives Ergebnis im dritten Quartal deutlich verbessern. Demnach erreichte das operative Ergebnis 122 Mio. Euro, nach -1,45 Mrd. Euro im Vorjahresquartal. Goodwill-Abschreibungen und der planmäßige Restrukturierungsaufwand für die Dresdner Bank-Integration (904 Mio. Euro) führten zu einem Nettoergebnis von -1,06 Mrd. Euro, nach -761 Mio. Euro im zweiten Quartal. Die Commerzbank geht unverändert davon aus, unter normalen Marktbedingungen ab 2012, bei positiver Marktentwicklung bereits ab 2011 mit der Rückzahlung der stillen Einlagen des SoFFin zu beginnen.
Symrise zogen im MDAX um 2,3 Prozent an. Wie zuvor bekannt wurde, hat der Aromenhersteller seinen Umsatz in den ersten neun Monaten um 2,8 Prozent auf 1,04 Mrd. Euro gesteigert. Der um Sondereffekte bereinigte Periodenüberschuss lag mit 100,9 Mio. Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Bei Titeln der Deutschen Postbank stand ein Plus von 0,4 Prozent zu Buche. Der Nettogewinn des Finanzinstituts lag in den ersten neun Monaten bei 112 Mio. Euro, nach -111 Mio. Euro im Vorjahr. Das Vorsteuerergebnis blieb mit -219 Mio. Euro (Vorjahr: -108 Mio. Euro) negativ, wobei der positive Trend im dritten Quartal durch die am 1. November bekannt gegebene Insolvenz des US-Mittelstandsfinanzierers CIT Group verzerrt wurde. Fraport bröckelten dagegen um 0,7 Prozent ab. Der Flughafenbetreiber musste in den ersten neun Monaten einen Umsatzrückgang von 7,6 Prozent auf 1,48 Mrd. Euro hinnehmen. Beim EBIT wurde ein Rückgang auf 265,6 Mio. Euro verbucht, nach 334,2 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Wacker Chemie gaben 0,3 Prozent ab. Das Unternehmen hat im dritten Quartal einen herben Ergebnisrückgang hinnehmen müssen. Der Umsatz fiel um 14,7 Prozent auf 986,5 Mio. Euro. Das Konzernergebnis war mit 35,9 Mio. Euro (Vorjahr: 170,8 Mio. Euro) deutlich rückläufig. SGL CARBON brachen um 7,9 Prozent ein. Umsatz und Ergebnis des Konzerns sind in den ersten neun Monaten zurückgegangen. Die Erlöse sanken erwartungsgemäß um 21,6 Prozent auf 892,4 Mio. Euro. Das EBIT belief sich auf 81,9 Mio. Euro (Vorjahr: 234,6 Mio. Euro). Für ProSiebenSat.1 ging es um 9,4 Prozent nach unten. Wie bekannt wurde, hat der Medienkonzern im dritten Quartal erneut rote Zahlen geschrieben. Die Aktie des Motorenherstellers DEUTZ gewann im SDAX 2,2 Prozent. Der Konzern gab bekannt, dass sich die Nachfrage nach Motoren und Serviceleistungen trotz des anhaltend schwierigen konjunkturellen Umfelds im dritten Quartal leicht verbessert hat. Der Auftragseingang lag mit 206 Mio. Euro um rund 3 Prozent höher als im Vorquartal und auch höher als der Umsatz im dritten Quartal. Das Konzernergebnis lag im Berichtszeitraum bei -25,3 Mio. Euro, nach -2,3 Mio. Euro im dritten Quartal 2008. MEDION kletterten daneben um 3,3 Prozent. Der Elektronikhändler konnte im dritten Quartal bei Umsatz und EBIT nicht das Vorjahresniveau erreichen. Die Billigfluglinie Air Berlin (unverändert) musste im Oktober einen leichten Passagierrückgang hinnehmen.
Im TecDAX schossen Rofin-Sinar um 13,4 Prozent in die Höhe. Der Hersteller von Laserstrahlquellen und laserbasierten Systemlösungen hat im vierten Quartal bei einem Umsatzrückgang um 41 Prozent deutlich weniger verdient. Nach Steuern wurde ein Gewinn von 5,3 Mio. Dollar verbucht, nach einem Nachsteuergewinn von 20 Mio. Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Erwartungen wurden allerdings klar übertroffen. Titel der Software AG gewannen 8,2 Prozent. Das Unternehmen hat auch im dritten Quartal eine Umsatz- und Ergebnissteigerung erzielt. Der Umsatz stieg um 19 Prozent auf 214 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) verbesserte sich um 16 Prozent auf 56 Mio. Euro. Nach der Akquisition von IDS Scheer wurde die Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Anteile des Medizintechnik- und Sicherheitstechnikanbieters Drägerwerk, der im dritten Quartal von der Schweinegrippe profitiert hat und Umsatz und Ergebnis steigern konnte, rückten um 4,9 Prozent vor. United Internet verloren dagegen 1,5 Prozent. Einem Pressebericht zufolge will sich der Internet-Provider offenbar nicht am Rennen um Hansenet ("Alice") beteiligen und Telefonica und Telecom Italia das Feld überlassen.
Asiatische und US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Donnerstag mit Kursgewinnen. Während der Dow Jones mit 10.005,96 Punkten um 2,08 Prozent zunahm, zog der Nasdaq Composite um 2,42 Prozent auf 2.105,32 Zähler an. Der S&P 500 kletterte daneben um 1,92 Prozent und schloss bei 1.066,63 Zählern. Die Futures notieren derzeit im Minus. So tendiert der Dow Jones Future bei 9.939,00 Punkten (-12,00 Punkte), der NASDAQ Future bei 1.717,00 Punkten (-2,25 Punkte) und der S&P Future bei 1.062,00 Zählern (-1,20 Punkte).
Die größten Börsen in Asien entwickeln sich dank der guten Vorgaben der US-Börsen stärker. Nach der negativen Entwicklung des vorangegangenen Handelstages notiert der Nikkei-Index heute in Tokio mit einem Plus von 0,74 Prozent bei 9.789,35 Punkten.
In China zeigen die Aktienmärkte ebenfalls grüne Vorzeichen. So steht der Hang Seng derzeit mit 1,62 Prozent im Plus bei 21.826,73 Punkten, während der Shanghai Composite um 0,28 Prozent anzieht auf 3.164,04 Punkte.
Der Markt heute:
Der Bund Future steigt bisher um 0,12 Prozent auf 121,15 Punkte.
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Gewinnen starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 5.491 Punkten. Der DAX-Future notiert derzeit bei 5.486,25 Zählern (-0,1 Prozent).
In Deutschland stehen heute die Insolvenzen, Rohstahlproduktion und der Auftragseingang in der Industrie zur Veröffentlichung an. Ferner werden in Frankreich die Handelsbilanz und in Großbritannien die Erzeugerpreise bekannt gegeben. Aus den USA werden heute die Arbeitsmarktdaten, die Lagerbestände und Umsätze im Großhandel sowie die Verbraucherkredite gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei American International Group Inc., Blackstone Group LP, Edison International, Exide Technologies, Mirant Corp., 4SC AG, Andritz AG, British Airways plc, CENTROTEC Sustainable AG, FUCHS PETROLUB AG, Funkwerk AG, GWB Immobilien AG, Hannover Rückversicherung AG, Klöckner-Werke AG, Smith & Nephew plc und Wienerberger AG an.
Wichtige Meldungen:
Der US-amerikanische Medienkonzern CBS Corp. (ISIN US1248572026/ WKN A0HM1P) meldete am Donnerstag nach US-Börsenschluss die Zahlen für das dritte Quartal 2009, wonach die Erwartungen übertroffen wurden.
Die US-amerikanische Starbucks Corp. (ISIN US8552441094/ WKN 884437) hat am Donnerstag nach Börsenschluss die Zahlen für das vierte Geschäftsquartal 2008/09 und das Gesamtjahr präsentiert und damit die Erwartungen leicht übertroffen.
Der US-amerikanische Raffineriekonzern Sunoco Inc. (ISIN US86764P1093/ WKN 852603) hat am Donnerstag nach US-Börsenschluss für das dritte Quartal 2009 einen Verlust gemeldet. (06.11.2009/ac/n/m)




















